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Persönliche Beratung in Haft

Situation von Menschen in Haft

Die individuellen Biographien inhaftierter Menschen sind oft geprägt von Suchtproblematiken, Obdachlosigkeit, Migrationserfahrung oder sozialer Vereinsamung. Kommen erlebte Traumata, chronische und / oder psychiatrische Erkrankungen hinzu, wird die Einbindung in das soziale System weiter erschwert. Die Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen ohne anhaltende Beeinträchtigungen zu überstehen, wurde häufig nicht erlernt. Ein Abrutschen in Kriminalität und (wiederkehrende) Inhaftierungen können die Folge sein.

Menschen mit einer oder mehreren chronischen Erkrankungen erleben eine Inhaftierung unterschiedlich. Der Entzug der persönlichen Freiheit ist in allen Fällen ein einschneidendes Erlebnis. Das erzwungene Zusammenleben auf engstem Raum mit Anderen sowie der eng strukturierte Tagesablauf belasten auf verschiedenen Ebenen.

Für die einen bedeutet es eine lebensrettende sowie gesundheitsstabilisierende Situation. Endlich erfolgt eine seit langem notwendige Gesundheitsversorgung, die in der Freiheit nicht angenommen oder vielleicht aufgrund fehlender Krankenversicherung nicht möglich war. Für andere bedeutet es den Abbruch einer stabilen medizinischen Versorgung, familiärer / sozialer Bindungen oder den Verlust der Wohnung / Arbeit und wirkt sich psychisch und gesundheitlich negativ aus.

Eine vorliegende HIV- oder Hepatitis- Infektion wird im Rahmen einer Inhaftierung von vielen Betroffenen als äußerst belastend erlebt. Eine freie Arzt- / Ärztinnenwahl ist im Vollzug nicht möglich. Die Angst vor Diskriminierung oder Stigmatisierung seitens anderer Inhaftierter oder dem Personal ist stark erhöht. Sorgen z.B. um ein Outing der Infektion, die medizinische Behandlung, den eigenen Krankheitsverlauf, Sterben / Tod laufen aufgrund der Isolation nur noch im Kopf ab. Hinzu kommt in vielen Fällen fehlendes Wissen oder Falschinformationen zur vorliegenden Infektion.

Oft fehlt ein Gegenüber, das ohne Vorurteile zuhört, und auch eine Verbindung zur Außenwelt darzustellen vermag. In der ohnehin schwierigen Haftsituation eine/n Ansprechpartner/in zu haben, der/die zu unterstützen bereit ist, ist ein nicht zu unterschätzendes wichtiges psychosoziales Element zur Erhaltung der Gesundheit.

Unterstützungsangebote

Wir arbeiten in allen Berliner Haftanstalten sowie dem Krankenhaus des Maßregelvollzugs Reinickendorf und bieten medizinisch-gesundheitliche Beratung zum HIV-Test, zum Leben mit einem positiven Testergebnis, zu Untersuchungs- und Behandlungsmöglichkeiten der HIV-Infektion, zu Infektionsrisiken und ihrer Vermeidung unter Haftbedingungen.

Wir beraten zu gesundheitlichen Risiken beim Drogenkonsum und bieten Unterstützung zur Auseinandersetzung mit aktuellem Drogenkonsum.

Wir unterstützen bei der Vollzugsplanung, Vollzugslockerungen und der Vorbereitung der Haftentlassung sowie bei ausländerrechtlichen Angelegenheiten.

Beratungstage in den Haftanstalten / Maßregelvollzug

JVA Tegel

Jeden Dienstag

JVA Heidering

14- tägig, donnerstags

JVA Moabit

14-tägig, donnerstags

 JVA Lichtenberg

14-tägig, montags

 JVA Plötzensee

14- tägig, dienstags

Krankenhaus des Maßregelvollzugs Reinickendorf

14-tägig, dienstags

Justiz-Vollzugskrankenhaus sowie Offener Vollzug nach Terminvereinbarung

 

Informationsveranstaltungen

Auf Anfrage bieten wir für Inhaftierte und Bedienstete jeweils getrennt Informationsveranstaltungen zu folgenden Themen an: HIV/Hepatitis, Safer Use, Safer Sex, Risikominimierung, Gesundheitsförderung

 

Ansprechpartnerinnen:

Daniela Staack, Telefon 0 30 / 88 56 40 - 41, E-Mail

Anna Gliffe, Telefon 0 30 / 88 56 40 -84, E-Mail

 

Gruppenangebote für Drogengebraucher

JVA Tegel, Haus 2

Montags 16:00 - 17:30 Uhr

 

Offene Drogengesprächsgruppe in der Berliner Aids-Hilfe

(Offener Vollzug, Freigänger & Haftentlassene)

Donnerstags 18:30 - 19:30 Uhr

 

Ansprechpartner:

Georg Bartsch (donnerstags von 17:30-18:30 Uhr), Telefon 0 15 77 / 1 58 85 91, E-Mail

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