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Forderungen



Politische Forderungen der ehrenamtlichen MitarbeiterInnen der Berliner Aids-Hilfe e.V., September 2001

Die Ehrenamtlichen MitarbeiterInnen der Berliner Aids-Hilfe e.V. nahmen das „Internationale Jahr der Freiwilligen 2001“ zum Anlaß, ihre Forderungen an die Politik zu erarbeiten und zu formulieren.

In Abstimmungen mit den einzelnen Teams verabschiedeten die TeamsprecherInnen und Mitglieder der AG „Politische Forderungen“ nachfolgende Forderungen an die Politik.  


Ehrenamt in die Öffentlichkeit


Ehrenamt ist das Geben von etwas, was einer hat und eine andere braucht. Ehrenamt ist keine Erwerbsarbeit. Ehrenamt ist freiwillig. Ehrenamt ist oft leise und unsichtbar, aber stark in der Wirkung. Ehrenamt ist kostbar und viel wert, aber weil es keinen Geldwert schafft, ist es auf Unterstützung durch Öffentlichkeit angewiesen. Ehrenamt möchte anerkannt und glaubwürdig dargestellt werden. Dazu ist eine umfassende Berichterstattung in Fernsehen, Kino, Hörfunk und Printmedien über die unterschiedlichen Gebiete des Ehrenamtes nötig. Ehrenamtliche Arbeit ist notwendig in dem Sinne, Not abzumildern oder zu verhindern. Ohne das Engagement Freiwilliger ginge es vielen Menschen schlechter und stünden viele soziale oder kulturell arbeitende Institutionen weniger erfolgreich da. Ehrenamtliche Arbeit wird getragen von starker Motivation derjenigen, die sie leisten. Ehrenamtliche sind aktiv, weil sie gesellschaftliche Mißstände erkennen und für eine Verbesserung persönliche Verantwortung übernehmen. Sie bekommen dafür Anerkennung, Achtung, Bestätigung, Wissens- und Kompetenzerweiterung - manches, was die Erwerbsarbeit nicht einbringt. Das Erleben der Wirksamkeit des Tuns schafft Erfüllung und Befriedigung. Ehrenamtliche Arbeit ermöglicht neue Begegnungen und stärkt das soziale Netz.  


Allgemeine Forderungen


Selbstverständliche, permanente Berichterstattung über das Ehrenamt als Teil öffentlich relevanter Nachrichten. Information, Berichterstattung, Ausleuchten von Hintergründen über viele - nicht nur prominente - Gesichter ehrenamtlicher Arbeit in den Bereichen Umwelt-Naturschutz, Soziales, Gesundheit, Krankheit, Jugend, MigrantInnen, Sport, Kirche etc. Gesponserte Herstellung und Veröffentlichung eingängiger Werbespots über ehrenamtliche Arbeit in Kino, Radio, Fernsehen und Internet sowie Anzeigen in Zeitungen, Zeitschriften und auf Plakatwänden.

Wir fordern eine gleiche Bewertung, eine Gleichbehandlung und eine Gleichstellung aller ehrenamtlichen Arbeiten und Ämter hinsichtlich sozialer Anerkennung und sozialem Prestige; z.B. sollte ein ehrenamtlicher Krankenhausbesuchsdienst im Status und Prestigewert genau soviel gelten wie ein Vorstandsvorsitz.  


Forderungen an die Politik


Wir fordern, dass in jedem bezirklichen Bürgerbüro eine Ehrenamtsvertretung eingerichtet wird. Hier sollten BürgerInnen und Bürger die Möglichkeit haben, sich über ehrenamtliche Tätigkeiten im Bezirk zu informieren und beraten zu lassen. Ehrenamtsbeauftragte sollten dort die Interessen Ehrenamtlicher vertreten.

Wir setzten uns dafür ein, dass hauptamtliche Arbeit nicht durch ehrenamtliche ersetzt wird. Ehrenamtliche wollen nicht, dass durch ihren ehrenamtlichen Einsatz Hauptamtliche in die Arbeitslosigkeit gedrängt werden. Wir wollen nicht dazu instrumentalisiert werden, soziale Mißstände, die z.B. durch Sozialabbau entstehen, durch unsere ehrenamtliche Arbeit zu kaschieren.

Wir wollen, dass ehrenamtliche Arbeit gefördert wird; z.B. sollte jede/r ArbeitnehmerIn die Möglichkeit haben, ehrenamtlich zu arbeiten. Jede/r sollte sich dafür auf die Kulanz und Toleranz des Arbeitgebers verlassen können.

Wir fordern, dass ehrenamtlich Tätige, die dies brauchen oder wünschen, eine Aufwandsentschädigung bekommen. Diese kann z.B. in Form einer kostenlosen Verkehrsnetzkarte erfolgen. Jede/r sollte sich ehrenamtliche Arbeit leisten können. Vereine, die mit Ehrenamtlichen arbeiten, sollten zur Zahlung dieser Aufwandsentschädigungen gesonderte Zuwendungen bekommen.

Wir wollen, dass ehrenamtliche Arbeiten auf Rentenzeiten angerechnet werden (analog zu Kindererziehungszeiten).

Wir fordern eine Gleichbehandlung aller Ehrenämter hinsichtlich Steuerfreibeträgen etc.

Für erwerbslose Ehrenamtliche sollte es keine zeitliche Beschränkung der ehrenamtlichen Tätigkeit vom Gesetzgeber geben. Im Gegenteil sollten Erwerbslose zu ehrenamtlicher Arbeit ermutigt werden, da diese auf verschiedenen Gebieten weiterqualifiziert.  


Forderungen an die Bildungspolitik


Wir fordern eine Berücksichtigung ehrenamtlicher Tätigkeit bei der Berufsbewerbung, Studienplatzvergabe, Einberufung zum Wehr- bzw. Zivildienst etc.

Wir wollen, dass alle Ehrenamtlichen ein Recht auf ein Zeugnis bzw. Zertifikat über ihre ehrenamtliche Arbeit bekommen. Dies sollte verbindlich für alle Vereine gelten und einheitlich gehandhabt werden.

Wir wollen eine breitgefächerte Information für SchülerInnen aller Altersklassen und Schulformen über das Ehrenamt, über Projekte und Initiativen sowie verschiedener Tätigkeitsfelder ehrenamtlicher Arbeit. Dies bedeutet eine Aufnahme des Ehrenamts in den schulischen Rahmenplan (z.B. in Ethik, Religion, Sozialkunde).

Wir befürworten die Entwicklung von Partnerschaften zwischen einzelnen Klassen oder Schulen und gemeinnützigen Projekten. SchülerInnen wird so eine Bandbreite an verschiedenen Lebensformen, sozialen Problematiken und Möglichkeiten ehrenamtlicher Arbeit aufgezeigt.

Wir fordern fundierte Ausbildungen zur Arbeit mit Ehrenamtlichen in Studium, Fort- und Weiterbildung. Dies kann die Qualität ehrenamtlicher Arbeit stärken.


Diese Forderungen wurden erstmals am 20. Oktober 2001 im Rahmen der Ausstellung „Ehrenamt hat Gesicht“ im Roten Rathaus veröffentlicht.

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