Leitbild der Berliner Aids-Hilfe e.V.
(Stand: 2002, derzeit in Überarbeitung)
Präambel
Die Berliner Aids-Hilfe gründete sich 1985 und hat sich rasch vom Zusammenschluss einiger Aktivisten zu einem führenden Dienstleister entwickelt. Heute sind wir Teil eines umfassenden Versorgungsnetzwerks, das berlinweit zielgruppenspezifische Leistungen anbietet.
Das nachstehende Leitbild der Berliner Aids-Hilfe e.V. dient der Standortbestimmung und bietet eine Orientierung im Sinne einer Corporate Identity. Es ist zukunftsorientiert und darf nicht statisch sein, sondern muss sich dynamisch verändern und neuen Gegebenheiten anpassen.
Ziel unserer Arbeit
Die Berliner Aids-Hilfe e.V. ist eine Organisation, die sich die Sicherung und Förderung der Lebensqualität aller Menschen, die von HIV und Aids betroffen oder davon bedroht sind, zum Ziel gesetzt hat. Vorrangig sind dabei ganzheitliche Gesundheitsförderung, Akzeptanz der Lebensweisen, gesellschaftliche Emanzipation und Selbsthilfe. Wir verstehen unter dem Gesundheitsbegriff körperliches, psychisches und soziales Wohlbefinden und nicht nur das traditionelle Fehlen von Krankheit. Wir sind parteipolitisch, weltanschaulich und konfessionell unabhängig.
Tragende Prinzipien unserer Arbeit
Wir sind der Meinung, dass die Würde des Menschen unantastbar ist. Alle Menschen haben ein Recht auf Individualität, freie Persönlichkeitsentwicklung und freie spirituelle Betätigung. Wir achten die Autonomie und Intimsphäre und verpflichten uns zur Einhaltung der Schweigepflicht.
Wir akzeptieren und fördern individuelle Lebensentwürfe und unterschiedliche Lebenswelten. Respekt vor der Eigenverantwortung und geschlechtsspezifischer / kultureller Unterschiede prägt unser Handeln für den Einzelnen.
Wir vertreten das Konzept der strukturellen Prävention, nach dem Maßnahmen der Verhaltensprävention (Individualität) mit Maßnahmen der Verhältnisprävention (Lebensverhältnisse) abgestimmt ineinandergreifen und primär- sekundär- und tertiärpräventive Angebote einander sinnvoll ergänzen.
Kennzeichnend für unsere Zielgruppen sind gesellschaftliche Marginalisierung und Diskriminierung. Der Zugang zu Versorgungsangeboten wird durch die Schaffung vielfältiger Barrieren erschwert. Es gilt daher, durch gesellschaftspolitische Einflussnahme die Verhältnisse zu verbessern und bedarfsgerechte Strukturen einzufordern. Die Solidarität mit und Akzeptanz von HIV-positiven und an Aids erkrankten Menschen in allen gesellschaftlichen Bereichen zu stärken ist uns dabei ein wichtiges Ziel.
Unsere Aufgabenschwerpunkte
Wir realisieren unsere Ziele der Sicherung und Förderung der Lebensqualität durch Information und Aufklärung zum Thema HIV und Aids, durch Beratungs-, Betreuungs- und Selbsthilfeangebote für Menschen mit HIV/Aids und deren Angehörige.
Wir bieten Raum für die Selbstorganisation unserer Zielgruppen und unterstützen bestehende Netzwerke von HIV-positiven Menschen und ihrer Angehörigen. Weiterhin unterstützen wir andere Institutionen und Multiplikatoren aus HIV/Aids-Projekten und aus dem Gesundheitsbereich durch Beratung und Zusammenarbeit.
Durch vielschichtige Öffentlichkeitsarbeit in Form von Informationsveranstaltungen, Kundgebungen, Verbreitung von Druckschriften und Medienpräsenz setzen wir uns für ein tolerantes gesellschaftliches Klima ein, in dem Menschen mit unterschiedlichsten Lebenswelten nicht diskriminiert werden.
Wir nehmen kritisch Einfluss auf die Politik, insbesondere auf die Sozial- und Gesundheitspolitik, auf Medizin und Forschung und bemühen uns in Zusammenarbeit mit Verbänden und anderen Bündnispartnern um die Verbesserung von Versorgungsstrukturen und um deren Finanzierung.
Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
Wir setzen haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein, welche über gute fachliche Qualifikationen und ein hohes Maß an persönlicher Integrität verfügen. Wir unterstützen sie dabei durch individuelle Beratung, Anleitung, Supervision, Aus-, Fort- und Weiterbildung, um die Persönlichkeit und Fachlichkeit zu entwickeln. Entscheidend für uns ist, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eigenverantwortlich in ihrem Arbeitsbereich tätig sind. Nur so lassen sich kreativ und wirkungsvoll die Aufgabenstellungen realisieren. Die Einbeziehung schwerbehinderter Menschen, insbesondere von Menschen mit HIV/Aids ist für uns eine Selbstverständlichkeit.
Ehrenamtliche und hauptamtliche Arbeit ersetzen sich nicht gegenseitig. Ehrenamtliche Arbeit ist ein entscheidendes Potenzial für unsere Angebote. Hauptamtliche Arbeit soll unter anderem die Strukturen schaffen und aufrechterhalten, in denen ehrenamtliche Arbeit stattfindet.
Unsere Arbeitskultur
Unsere Zusammenarbeit ist ein fließender Prozess der ständigen Reflexion und Erneuerung im gleichberechtigten Miteinander. Wir gestalten sie gemeinsam, eigenverantwortlich, kompetent, kreativ, transparent und vertrauensvoll unter Einbeziehung der Qualitäten und Ressourcen aller Beteiligten. Wir haben klare Organisationsstrukturen und ein kooperatives Führungsverständnis, welches die Eigeninitiative und die Verantwortung aller Beteiligten fördert und unterstützt.
Qualität unserer Arbeit
Wir arbeiten nach transparenten Kriterien bezüglich der Qualität unserer Arbeit. Dabei berücksichtigen wir die unterschiedlichen Anforderungen an die einzelnen Arbeitsbereiche. Durch die Erarbeitung und Weiterentwicklung von Qualitätskriterien garantieren wir einen hohen Standard unserer Angebote. Wir berücksichtigen dabei die Veränderungen im Umfeld und initiieren den Austausch mit anderen Einrichtungen und Verbänden, mit Kostenträgern und Zielgruppen.
Zukunft unserer Arbeit
Wir wollen nicht nur heute erfolgreich arbeiten, sondern auch auf künftige Herausforderungen vorbereitet sein. Die Diskussion mit Mitarbeitern, Aktiven, Menschen mit HIV/Aids, Mitgliedern und Kooperatoren hilft uns, unsere Strukturen und Arbeitsweise ständig zu evaluieren und bei Bedarf durch neue Konzepte zu ersetzen. Nutzung des kreativen Potenzials, Offenheit für Anregungen und Kritik, Fortbildung als Auftrag an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind für uns die entscheidende Voraussetzung für eine qualitätsorientierte Zukunftsarbeit.





