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Ehrenamtliches Engagement: von Moskau nach Berlin



Seit dem 1. September ist die Moskauerin Xenia Maximova Ehrenamtliche der Berliner Aids-Hilfe. Sie kam eigens für dieses Ehrenamt nach Deutschland.

 

Für 6 Monate wird sie den Arbeitsbereich „Migration“ in der BAH unterstützen. Als diplomierte Journalistin hat sie sich intensiv mit der Situation von HIV-positiven Menschen in Russland beschäftigt. Hat beobachtet wie entrechtet, diskriminiert und medizinisch unterversorgt Kinder, Frauen und Männer mit HIV in Russland heute leben.

 

Das Ehrenamt in Deutschland begreift sie als eine neue Lebenserfahrung. So sieht sie gerade in der Nichtbezahlung ehrenamtlichen Engagements eine große Chance der Unabhängigkeit dieser Arbeit. Als ehrenamtliche Mitarbeiterin hat sie bereits einige russische KlientInnen zu Ärzten und bei der Wohnungssuche begleitet und für sie vom russischen ins deutsche übersetzt. In der Berliner Aids-Hilfe möchte sie erfahren, wie in einer Zivilgesellschaft gesundheitliche soziale Versorgungssysteme arbeiten, die die Einhaltung der Menschenrechte und Menschenwürde zum zentralen Ziel ihrer Angebote machen.

 

 

Weiß auf Schwarz: russische „Positive“ haben auch was Positives

 

„Du hast Aids, und dies heißt – wir werden sterben!“ – singt die legendäre russische Rocksängerin Zemfira in ihrem Superhit. HIV ist in Russland ein Tabu-Thema. Dies weiß man im Westen ohnehin. Aber in jedem Dunklen gibt es immer etwas Helles. Aus der journalistischen Erfahrung von Xenia Maximova in Moskau:     

 

Diese drei Buchstaben – HIV – hat man zum ersten Mal in Russland, bzw. in der damaligen Sowjetunion, 1987 gehört. Nikolaj Panchenko (geb. 1952) aus Sankt-Petersburg war der Erste, bei dem es diagnostiziert wurde. Man dachte, er sei schon lange tot. Aber er lebt nach wie vor in seiner Geburtsstadt, sieht gut aus und ist weltweit bekannt geworden. Damals hat er als Homosexueller seinen Job bei der Miliz verloren und wurde zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Jetzt leitet er die „Petersburger Gesellschaft HIV-positiver Menschen“. Seine Krankheit ist zu seinem erfolgreichen Beruf geworden.

 

2005 fand in Moskau der erste Schönheitswettbewerb des Landes „Miss Positiv“ statt. Gewonnen hat Svetlana Izambaeva (geb. 1981) und im Unterschied zu anderen Teilnehmerinnen outete sie sich als HIV-positive Frau. Mit diesem Schritt begann ihr neues Leben. Sie gründete einen Verein zur Hilfe  HIV-positiver Frauen und ihrer Angehörigen sowie "Lady Life", ein Café für HIV-infizierte Frauen. Aber nicht nur das: in den vergangenen sechs Jahren hat Svetlana viel mehr geschafft: sie hat geheiratet und zwei gesunde Kinder geboren. Nachdem ihre Mutter gestorben war, lebt auch Svetlanas kleiner Bruder als Pflegesohn bei ihr. Das legal hinzukriegen hat Swetlana viele Nerven gekostet. Es war nicht leicht dem Gericht zu beweisen, dass HIV kein Grund ist, Geschwister zu trennen.  

 

Eines Tages habe ich in Moskau von einem 23jährigen berichtet, der erzählte, wie er als HIV-positiver und als Folge seiner Krankheit fast erblindeter Junge unter Gesunden zu überleben versuchte. Der Junge wurde überall heftig stigmatisiert, hatte kein Geld und sollte auf der Straße umkommen. Die gesellschaftliche Reaktion war einer explodierenden Bombe ähnlich. Jeder wollte helfen. Die Leser haben Geld auf ein Konto überwiesen, sie brachten Briefumschläge in die Redaktion, schickten Überweisungen aus anderen Ländern. Viele baten darum, ihre Namen in der Zeitung nicht zu nennen, denn sie sind nicht aus Ruhmsucht zur Hilfe gekommen.

 

Ein Mann hat 5.000 Dollar in bar gebracht, und schon war er auch wieder weg, ohne sich vorzustellen. Die Leute waren gerührt und wussten – ganz unerwartet! – Bescheid, dass Aids durch Freundschaft nicht verbreitet wird. 

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